NAVICARE Forschung

Ziel der ersten Förderphase von NAVICARE ist es, ein patientenorientiertes Navigations-Modell zu entwickeln, das die Patienten auf ihrem Weg durch das Versorgungssystem unterstützt. Hiermit befassen sich zwei Forschungsprojekte:

  • CoreNAVI – Entwicklung eines Modells zur Patientennavigation
  • COMPASS – Coordination of Medical Professions Aiming at Sustainable Support

Die Machbarkeit und Akzeptanz des Patienten-Navigation-Modells soll schließlich in einer Pilotstudie überprüft werden.

Hintergrund

Das Gesundheitssystem in Deutschland ist hoch spezialisiert, aber auch stark fragmentiert. Dies ist insbesondere für PatientInnen mit chronischen Erkrankungen und Multimorbidität eine Herausforderung.

Innovative Versorgungsmodelle könnten die bestehenden Barrieren und die daraus resultierenden Versorgungslücken verringern. Eine Möglichkeit ist der Einsatz von sogenannten „Patienten-Navigatoren“, die es z.B. bereits in den USA gibt. Navigatoren sind speziell geschulte Personen, die PatientInnen auch über die Grenzen der üblichen Versorgungsstrukturen hinaus begleiten. Sie erleichtern so die „Navigation“ im Versorgungssystem.

Ob und wie das Modell auf das deutsche Versorgungssystem übertragen werden kann, ist zu prüfen.

CoreNAVI – Entwicklung eines Modells zur Patientennavigation

Im Teilprojekt CoreNAVI stehen die altersassoziierten Erkrankungen Schlaganfall und Lungenkrebs im Mittelpunkt. Mit Hilfe verschiedener Methoden soll in vier Work Packages untersucht werden, welche Barrieren und Schwachstellen in der Versorgung dieser PatientInnen vorliegen.

Projektleitung:

Work Package 1: Erstellung eines Versorgungsatlas für Patienten mit Schlaganfall und Lungenkrebs

In diesem Arbeitspaket werden die in Berlin existierenden Versorgungsangebote für Patienten mit Schlaganfall und Lungenkrebs systematisch erhoben. Hierfür werden zum einen Personen interviewt, die an der Versorgung von Patienten mit diesen Erkrankungen beteiligt sind. Zum anderen wird eine systematische Recherche durchgeführt. Die gesammelten Informationen werden schließlich zu einem Versorgungsatlas zusammengestellt, der auch Betroffenen zur Verfügung steht.

Ansprechpartner
Work Package 2: Qualitative Interviews mit Schlaganfall- und Lungenkrebspatienten

In qualitativen Interviews mit betroffenen Patienten wird untersucht, worin eine „optimale Versorgung“ aus Patientensicht besteht. Insbesondere soll herausgearbeitet werden, welche etablierten Navigationsmechanismen von den Patienten als hilfreich angesehen werden und welche Barrieren und Schwachstellen in der Versorgung bestehen. Hierfür werden die Patienten zu drei verschiedenen Zeitpunkten innerhalb des Krankheitsverlaufs interviewt.

Ansprechpartner
Work Packages 3 & 4: Sekundärdatenanalyse zur Identifikation vulnerabler Patientengruppen

Die Behandlung von Patienten mit Schlaganfall und Lungenkrebs orientiert sich an klinischen Leitlinien, die jedoch in der Behandlungsrealität nicht immer eingehalten werden. Durch die Analyse von Sekundärdaten sollen vulnerable Patienten, die keine leitliniengerechte Versorgung erhalten, näher charakterisiert werden. Als Grundlage für diese Analysen dienen Daten aus dem Krebsregister, die medizinische Verlaufsdokumentation sowie die Abrechnungsdaten gesetzlicher Krankenkassen.

Ansprechpartner (Auswertungen für Schlaganfallpatienten)
Ansprechpartner (Auswertungen für Lungenkrebspatienten)

COMPASS - Coordination of Medical Professions Aiming at Sustainable Support

Das Teilprojekt COMPASS fokussiert sich auf die Bedeutung der interprofessionellen Zusammenarbeit als Grundlage für die Patientennavigation. Hierbei geht es z.B. um die Delegation und Koordination medizinischer Aufgaben, aber auch um den möglichen Einsatz von medizinischen Fachangestellten (MFA) als Navigatoren. Die Perspektive der Forschungsprojekte bezieht sich dabei auf die hausärztliche Versorgung bzw. auf die gesetzlich Krankenversicherten.

Projektleitung:

Befragung von HausärztInnen und Medizinischen Fachangestellten (MFA)

In qualitativen Interviews mit Berliner HausärztInnen und ihren MFA wird untersucht, wie die Befragten eine „optimale Versorgung“ multimorbider Patienten charakterisieren und welche Navigationsmechanismen in der hausärztlichen Praxis bereits im Einsatz sind. Ob auch MFA Navigationsaufgaben übernehmen könnten, wird explorativ ermittelt.

Basierend auf den Resultaten der qualitativen Interviews wird ein Fragebogen erstellt, der an alle kassenärztlich tätigen HausärztInnen in Berlin verschickt wird. Zusätzlich ergänzen Fokusgruppengespräche mit Berliner HausärztInnen die Ergebnisse.

Ansprechpartner
Befragung von Mitgliedern der gesetzlichen Krankenversicherung

Im Rahmen der jährlich stattfindenden „Versichertenbefragung“ der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) wird die Haltung von gesetzlich Krankenversicherten gegenüber der Navigation und Delegation in der Patientenversorgung untersucht. Insbesondere die Übernahme medizinischer Aufgaben durch MFA steht hier im Fokus. Hinzu kommen weitere Fragen zur Inanspruchnahme und Wahrnehmung der Gesundheitsversorgung, die von der Arbeitsgruppe entwickelt und in den Survey eingebracht werden.

Ansprechpartner